Edesse
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Toponymes connus
- Edesse Med.
- Edessa - Édessa / Ἔδεσσα Grec Antiq.
- Rhoes - Rhoés / Ῥοές Grec Med.
- Urfa Turc Contemp.
- Ourhay - Uṙhay / Ուռհայ Arménien
- Şanlıurfa (Shanliurfa) Turc Contemp.
- al-Ruha - al-Ruhā / الرّها Arabe
Description
Geschichte
Die Stadt Edessa (heute Şanlıurfa) liegt an einem wichtigen Knotenpunkt der Verkehrswege zwischen Nordsyrien, Armenien und Mesopotamien. Diese Lage verlieh ihr im Laufe der Jahrhunderte eine besondere Bedeutung für den Austausch zwischen der Mittelmeerwelt und dem Orient, setzte sie zugleich aber auch den Rivalitäten der Mächte aus, die um die Herrschaft über die Region kämpften.
Obwohl die Ursprünge der Stadt weitgehend im Dunkeln liegen, wird ihre Neugründung in hellenistischer Zeit gewöhnlich Seleukos I. zugeschrieben, der ihr den Namen einer Stadt in Makedonien gegeben haben soll. Als Hauptstadt der Osrhoene geriet Edessa nacheinander in den Einflussbereich der Römer, Parther, Sassaniden und Byzantiner. Im 7. Jahrhundert fiel die Stadt unter muslimische Herrschaft, wurde 1031 von den Byzantinern zurückerobert und gelangte in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts unter türkische Herrschaft.
Bei der Ankunft der Kreuzfahrer wurde die Stadt von Thoros regiert, einem christlichen Fürsten armenischer Herkunft, der seine Herrschaft gegenüber den benachbarten türkischen Mächten zu behaupten suchte. Angesichts der Bedrohung bat er Balduin von Boulogne, den Bruder Gottfrieds von Bouillon, der am Ersten Kreuzzug teilnahm, um Hilfe. Im Februar 1098 wurde Balduin von der Bevölkerung freundlich aufgenommen und bald darauf von Thoros adoptiert und zu seinem Erben bestimmt. Dieses Bündnis war jedoch nur von kurzer Dauer. Anfang März brach ein Aufstand gegen Thoros aus, der sich in die Zitadelle zurückzog, bevor er gefangen genommen und getötet wurde. Welche Rolle Balduin bei diesem Aufstand genau spielte, ist bis heute umstritten. Er ging jedoch als dessen wichtigster Nutznießer hervor: Als neuer Herr von Edessa gründete er hier den ersten der fränkischen Kreuzfahrerstaaten im Orient. Im Jahr 1100 verließ er die Grafschaft, um die Königskrone von Jerusalem zu übernehmen, und überließ seine Herrschaft seinem Vetter Balduin von Bourcq.
Kurz nach der Niederlage der Franken am Balikh im Mai 1104, bei der der neue Graf von Edessa, Balduin von Bourcq, und Joscelin I. von Courtenay in Gefangenschaft gerieten, wurde die Stadt von Truppen aus Mossul belagert. Ihre Verteidigung übernahm Tankred, der damals die Regentschaft über die Grafschaft ausübte.
Trotz seiner geringen Truppenstärke gelang es Tankred, den Widerstand der Stadt zu organisieren, an deren Verteidigung sich auch die Einwohner tatkräftig beteiligten. Nach mehreren Tagen der Belagerung zwangen ein Ausfall der Verteidiger und das gleichzeitige Eintreffen von Verstärkungen unter der Führung Bohemunds von Antiochia die Angreifer zum Rückzug. Edessa war damit einem ersten größeren muslimischen Rückeroberungsversuch entgangen.
Im Frühjahr 1110 belagerte der Atabeg von Mossul, Mawdūd, an der Spitze einer Koalition muslimischer Fürsten erneut Edessa. Graf Balduin von Bourcq bat König Balduin I. von Jerusalem um Hilfe, der mit Unterstützung fränkischer und armenischer Streitkräfte ein Heer zusammenstellte. Das Herannahen dieser Koalition führte zur Aufhebung der Belagerung, offenbarte jedoch die Verwundbarkeit der östlich des Euphrat gelegenen Besitzungen der Grafschaft Edessa. Die Franken beschlossen daraufhin, einen Teil der christlichen Bevölkerung aus den besonders gefährdeten ländlichen Gebieten zu evakuieren, um sie vor feindlichen Überfällen zu schützen. Im Jahr 1112 erschien Mawdūd erneut vor Edessa und versuchte, die Stadt mit Unterstützung einiger ihrer Einwohner überraschend einzunehmen. Das Unternehmen scheiterte, insbesondere dank der Wachsamkeit Joscelins I. von Courtenay, des damaligen Herrn von Turbessel und späteren Grafen von Edessa.
Im November 1144 nutzte Zengi, Atabeg von Mossul und Aleppo, die Abwesenheit des Grafen Joscelin II., des Sohnes und Nachfolgers Joscelins I., sowie die Schwäche der Besatzung, um Edessa zu belagern. In Abwesenheit des Grafen wurde die Verteidigung vom lateinischen Erzbischof Hugo organisiert, dem die armenischen und syrischen Prälaten zur Seite standen. Trotz unzureichender Truppenstärke und begrenzter Vorräte leisteten die Einwohner den Angreifern lang anhaltenden Widerstand. Diese setzten Belagerungsmaschinen ein und begannen, die Stadtmauern zu unterminieren. Nach fast vierwöchiger Belagerung stürzte ein Teil der nördlichen Stadtmauer ein und öffnete eine Bresche, die die Verteidiger vergeblich durch eine hastig errichtete Mauer zu schließen versuchten.
Die Stadt wurde am 23. oder 24. Dezember 1144 eingenommen, während die Zitadelle noch einige Tage Widerstand leistete. Die Eroberung war von Massakern und Gewalttaten begleitet, denen Zengi jedoch bald ein Ende setzte, da er eine Stadt erhalten wollte, deren Lage für die Verbindungen zwischen seinen Herrschaftsgebieten Mossul und Aleppo von entscheidender Bedeutung war. Die einheimischen christlichen Gemeinschaften blieben von den Repressalien vergleichsweise verschont, anders als die Lateiner, deren Herrschaft über Edessa damit endete.
Die Ermordung Zengis im September 1146 bot Joscelin II. eine letzte Gelegenheit, seine ehemalige Hauptstadt zurückzugewinnen.
Mit Unterstützung eines Teils der armenischen Bevölkerung gelang es den Franken Ende Oktober 1146, in Edessa einzudringen. Sie erlangten die Kontrolle über die Stadt zurück, konnten jedoch die Zitadelle nicht einnehmen, deren muslimische Besatzung weiterhin Widerstand leistete. Als Nūr ad-Dīn, Zengis Sohn und Herrscher von Aleppo, davon erfuhr, marschierte er rasch gegen Edessa und schloss die Franken zwischen seinen Truppen und den Verteidigern der Zitadelle ein.
Joscelin II. sah sich gezwungen, die Stadt in der Nacht vom 2. auf den 3. November zu räumen, begleitet von zahlreichen christlichen Einwohnern, die Vergeltungsmaßnahmen befürchteten. Der Rückzug endete in einer Katastrophe: Die Flüchtenden wurden von den Truppen Nūr ad-Dīns verfolgt und erlitten schwere Verluste, während zahlreiche Einwohner getötet oder in die Sklaverei verschleppt wurden. Die Chronisten berichten von mehreren Zehntausend Opfern. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Katastrophe in den zeitgenössischen Berichten, können jedoch nicht als gesicherte Angaben gelten. Die anschließenden Zerstörungen und Deportationen versetzten den christlichen Gemeinschaften der Stadt einen entscheidenden Schlag.
Der endgültige Verlust Edessas bedeutete das Ende des wichtigsten befestigten Stützpunkts der Grafschaft östlich des Euphrat. Bereits die erste Eroberung der Stadt im Jahr 1144 hatte im Abendland tiefe Bestürzung ausgelöst und den Aufruf zum Zweiten Kreuzzug hervorgerufen, dessen Vorbereitungen zur Zeit der Katastrophe von 1146 bereits im Gange waren.
Beschreibung
Trotz ihrer einstigen Bedeutung sind von den mittelalterlichen Befestigungen Edessas heute nur wenige Überreste erhalten. Von der ausgedehnten Stadtmauer, die einst durch zahlreiche Türme verstärkt war, haben sich lediglich einige Mauerabschnitte und ein Stadttor erhalten. Die auf den felsigen Höhen südlich der Stadt gelegene Zitadelle bildet dagegen noch immer eine eindrucksvolle Festungsanlage, die das moderne Stadtbild beherrscht.
Die Festung nimmt ein lang gestrecktes Plateau ein, dessen unregelmäßiger Umriss den Verlauf der Ringmauer bestimmt. Lange Zeit wurde ihre Errichtung Kaiser Justinian zugeschrieben. Tatsächlich ist sie jedoch das Ergebnis zahlreicher Bau- und Wiederaufbauphasen von der byzantinischen bis zur osmanischen Zeit. Neuere archäologische Untersuchungen haben mehrere größere Bauphasen erkennen lassen, darunter eine bedeutende Erweiterung der Ringmauer, die vermutlich zwischen dem 6. und dem 11. Jahrhundert erfolgte. Die Kurtinen werden von viereckigen Türmen und Schnabeltürmen flankiert, während mehrere mittelalterliche Baukampagnen die Verteidigungsanlagen grundlegend veränderten.
Zu den eindrucksvollsten Anlagen gehört der mächtige, in den Fels gehauene Graben, der die Festung an ihrer Ost- und Südseite abriegelte. Er wurde in mehreren Bauphasen angelegt und vertieft und erreicht heute eine maximale Tiefe von etwa 18 Metern. In seinem südlichen Abschnitt ist ein isolierter Felspfeiler mit annähernd rechteckigem Querschnitt (3 × 4 m) erhalten, der vermutlich als Auflager einer Brücke diente, über die man zur Zitadelle gelangte. Diese Anordnung erinnert an vergleichbare Einrichtungen in Saône oder Nephin, wo im Felsgraben stehen gelassene Felspfeiler ebenfalls zur Überbrückung des Hindernisses dienten.
Nach der fränkischen Zeit wurde die Zitadelle erheblich umgestaltet. Die Wiederaufbauten des 13. und 14. Jahrhunderts, insbesondere in mamlukischer Zeit, sowie die großen Baukampagnen des 15. Jahrhunderts unter den Aq Qoyunlu veränderten ihre Verteidigungsanlagen. Vor allem an der Nordfront wurden mächtige vorspringende Türme errichtet, während das Zugangssystem in osmanischer Zeit neu gestaltet wurde.
Im Inneren der Zitadelle, das heute weitgehend frei von älteren Gebäuden ist, stehen noch zwei antike Säulen mit korinthischen Kapitellen, die traditionell mit dem sogenannten „Thron Nimrods“ in Verbindung gebracht werden. Eine von ihnen trägt eine syrische Inschrift aus dem 3. Jahrhundert. Diese Überreste könnten zum Palast der Herrscher von Osrhoene gehört haben, dessen Lage auf dieser Anhöhe in den antiken Quellen erwähnt wird.